Stellungnahme des Islamischen Kantonalverbands Bern (IKB) zum SRF-Rundschau-Beitrag «Hotelverkauf am Thunersee»
Der Islamische Kantonalverband Bern (IKB) nimmt mit Besorgnis wahr, dass die aktuelle Berichterstattung der Rundschau zum Hotelverkauf am Thunersee Stereotype verstärken und zur gesellschaftlichen Polarisierung beitragen kann. Kritik ist legitim, sie muss jedoch fair, ausgewogen und verantwortungsvoll erfolgen.
Der IKB hat mit Interesse den Rundschau-Beitrag verfolgt (vgl. Beitrag auf SRF). Dabei stellen sich für uns wichtige Überlegungen:
Wurden bei der journalistischen Aufbereitung die Ergebnisse der aktuellen Grundlagenstudie des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft (SZIG) an der Universität Fribourg hinreichend berücksichtigt (Link zur Studie)?
Studien wie diese weisen klar auf die Gefahr hin, dass durch bestimmte Darstellungen negative Stereotype gefestigt werden können.
Gerade vor diesem Hintergrund erscheint es problematisch, wenn die Berichterstattung Inhalte transportiert, die potenziell Stereotype gegenüber arabisch gelesenen Personen verstärken und damit deren Alltag in der Schweiz zusätzlich belasten können. Es drängt sich zudem die Frage auf, ob die Rundschau in gleicher Weise berichtet hätte, wenn die Käuferschaft eine Person mit Schweizer Staatsbürgerschaft gewesen wäre, die ihr Angebot ebenfalls verändert und religiöse Festtagsgrüsse auf Social Media veröffentlicht.
Haltung des IKB
Der IKB erwartet selbstverständlich von ausländischen Investoren, dass sie die lokale Kultur und Gebräuche soweit möglich respektieren. Gleichzeitig gilt in einer freien Marktwirtschaft: Die Käuferschaft entscheidet eigenverantwortlich über das Angebot ihrer Liegenschaft – solange dies im Einklang mit den geltenden Gesetzen geschieht.
Es wirkt widersprüchlich, wenn einerseits – wie im Fall der muslimischen Frau in Genf – betont wird, dass Eigentümer frei entscheiden können, wer Zutritt zu ihren Räumlichkeiten erhält (Link zum SRF-Beitrag), während andererseits die Anpassung des kulinarischen Angebots eines Hotels als problematisch und ausschliessend dargestellt wird.
Vergleichbare Praxis in der Schweiz
Es sei daran erinnert, dass namhafte Schweizer Unternehmen seit Jahren eine ähnliche Linie verfolgen:
Das Traditionshaus Hiltl mit Tibits verzichtet bewusst auf Schweinefleisch.
Die Migros als eine der grössten Detailhändlerinnen bietet seit jeher keinen Alkohol an.
Vor diesem Hintergrund wirkt der Fokus der Rundschau auf das veränderte Angebot des Hotels befremdlich. Falls die Politik mehr Käufe durch Schweizer Staatsangehörige wünscht, liegt es in ihrer Verantwortung, entsprechende Rahmenbedingungen oder Anreize zu schaffen.
Entscheidend bleibt jedoch die Frage:
Würde die öffentliche Debatte gleich verlaufen, wenn eine arabisch gelesene Person mit Schweizer Pass ein Hotel erwirbt und dessen Angebot neu ausrichtet?
Besorgnis über zunehmenden Rassismus
Der IKB ist ausserdem besorgt über den deutlichen Anstieg von antimuslimischem Rassismus und Antisemitismus in der Schweiz. Laut Beobachter haben sich die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr bis Mitte 2025 bereits um 52% erhöht (Beitrag des Beobachters).
In dieser angespannten Lage ist es umso wichtiger, den Dialog zu pflegen, um einer gesellschaftlichen Spaltung vorzubeugen und die Reproduktion von Stereotypen zu verhindern.
Kritik ist legitim – sie sollte jedoch fair, ausgewogen und mit Rücksicht auf die gesellschaftlichen Auswirkungen erfolgen.